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Suizid
- Wenn alles zusammenbricht
Wenn Ärzte, die ja in ihrem Beruf alles daran setzen, das Leben anderer
zu retten, ihr eigenes beenden, ist dies in mehrfacher Hinsicht tragisch.
Alles Wissen über bestehende Hilfesysteme, alle Anerkennung von Patienten,
Unterstützung, ja auch Bewunderung von Fachkollegen haben den letzten
Schritt nicht verhindert. Alle Ratschläge die ein suizidaler Arzt anderen
Gefährdeten gab, vermochte er da, wo es um sein Leben ging, nicht auf
sich anzuwenden. Suizide von Ärzten und Ärztinnen lassen unsere individuellen
und kollektiven Projektionen und Illusionen eigener bzw. berufständischer
Unverwundbarkeit zerbröckeln. Sie weisen uns hin auf unsere verwundete
Seite, die wir nur allzugerne verdrängen (Gathmann ) Wie hoch die suizidale
Gefährdung der Ärzteschaft konkret ist, darüber besteht bis heute wenig
Einigkeit. Zwar gibt es eine ganze Reihe von Untersuchungen, aber mal
werden Medizinstudenten, mal Assistenzärzte, mal nur die Niedergelassenen
erforscht. Große Schwierigkeiten macht auch die genaue Erfassung der Todesursachen,
die aus Gründen des Datenschutzes oft nicht preisgegeben werden . Darüber
hinaus vermuten die meisten Forscher, daß die bei Suiziden übliche Verschleierung
noch häufiger bei Ärzten (sowie anderen Personen mit Macht und Einfluß)
stattfindet. Entsprechend hoch wird die Dunkelziffer eingeschätzt. Bei
einer Befragung von 116 deutschen Krankenhausärzten berichteten 50% der
Befragten über Suizidgedanken in ihrem bisherigen Leben, 2/3 hielten eine
eigenes suizidales Verhalten in der Zukunft für möglich (Reimer). Schaut
man auf die für Ärzte ermittelten Suizidraten pro 100.000 so liegen diese
im Bereich vom 1-2 fachen der Raten für die männliche Allgemeinbevölkerung.
Größer ist das Suizidrisko für Ärztinnen mit Suzidraten im Bereich des
2-4fachen der Raten für die weibliche Allgemeinbevölkerung. Im Vergleich
der einzelnen Fachrichtungen kann bisher keine Übereinstimmung in der
Gefährdung einzelner Berufsgruppe gefunden werden. Jedoch werden Psychiater,
Anästhesisten und Augenärzte häufiger als andere Fachrichtungen genannt.
Auch weltberühmte Kollegen wie Hans Berger, der Erfinder des EEG, oder
der Analytiker und Autismusforscher Bruno Bettelheim suizidierten sich.
Wenig beachtet wurden die Suizide von Ärzten wegen politisch-wissenschaftlicher
Kränkung und Existenzvernichtung z.B. im Rahmen der Übernahme ostdeutscher
Hochschulen nach der Wende (Hecht) Kein Zweifel besteht bezüglich der
Ursachen: Über 90% der Arztsuizide liegt eine psychiatrische Krankheit,
meist eine Suchterkrankung oder eine Depression zugrunde.
Tabelle Ursachen von Arztsuiziden
· Vorliegen einer Suchterkrankung
· Vorliegen einer affektiven Störung (Depression, Manie)
· Suizidversuche in der Vergangenheit
· Vorliegen einer Psychose
· Narzißtische Krisen
· Verlust oder Trennung vom Partner/in
Fall: Ein 29 j. Assistenzarzt der Neurologie mit überdurchschnittlich
gutem Staatsexamen und Promotion erhält ein Jahres-Stipendium an einer
US-Klinik und daran anschließend eine begehrte, feste Stelle an einer
medizinischen Universität in Deutschland. Die normal zu erwartenden Umstellungs-
und Anfängerschwierigkeiten setzen ihm so zu, daß er ohne Vorankündigung
aus dem obersten Stock eines nahegelegen Hochhauses springt und stirbt.
Die Partnerin, Familie sowie Kollegen und Vorgesetzten sind erschüttert
und fragen sich, was sie falsch gemacht haben.
von
Bernhard Mäulen
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